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2025-02-25 App_516_2025
Source:
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Rule 370 – Court fees, Rule 333 – Review of case management orders
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The following text is not a complete transcript of the decision/order:
Lokalkammer München
UPC_CFI_208/2023
Anordnung
des Gerichts erster Instanz des Einheitlichen Patentgerichts, erlassen am 25.02.2025
Leitsätze:
1. Zweck der Regeln 370.9 (b) und (e) EPGVerfO zur Gebühren-Rückerstattung im Falle der Klagerücknahme ist es, die Rückerstattung mit dem bereits betriebenen Aufwand des Gerichts in ein angemessenes Verhältnis zu setzen.
2. Bei einem komplexen Patentverletzungsstreit, den die Parteien bis zur Rücknahme der Klage und der Widerklagen sehr intensiv geführt haben und der daher einen außergewöhnlich hohen, weit überdurchschnittlichen Arbeitsaufwand auf Seiten des Gerichts verursacht hat, handelt sich um einen „außergewöhnlichen Fall“ im Sinne der Regel 370.9 (e) EPGVerfO.
KLÄGERIN
Panasonic Holdings Corporation
vertreten durch: Miriam Kiefer
BEKLAGTE
1) Guangdong OPPO Mobile Telecommunications Corp. Ltd.
2) OROPE Germany GmbH
vertreten durch: Tobias J. Hessel
STREITPATENT
Europäisches Patent 2 197 132
SPRUCHKÖRPER / KAMMER
Spruchkörper 1 der Lokalkammer München.
MITWIRKENDE RICHTER/-INNEN Diese Anordnung wurde vom Vorsitzenden Richter Dr. Zigann, den rechtlich qualifizierten Richtern Kupecz und Pichlmaier und den technisch qualifizierten Richter Rydman erlassen.
VERFAHRENSSPRACHE
Deutsch
GEGENSTAND
Überprüfung einer verfahrensleitenden Anordnung nach Regel 333 EPGVerfO
Sachverhalt
Die Parteien haben nach einer außergerichtlichen Einigung Ende des Jahres 2024 sowohl die anhängige Verletzungsklage als auch die Widerklagen zurückgenommen und die anteilige Rückerstattung der Gerichtsgebühren in Höhe von 60% beantragt.
Der als Berichterstatter handelnde Vorsitzende der Lokalkammer hat den Parteien lediglich eine Rückerstattung in Höhe von 40% zuerkannt (Ziff. 5 der Anordnung vom 23.12.2024). In der Anordnung heißt es:
„Die jeweilige Klagepartei bzw. Widerklagepartei erhält eine anteilige Rückerstattung der Gerichtsgebühren gem. R. 370.9 (b) (ii) VerfO von jeweils 40 Prozent.“
Zur Begründung heißt es:
„Die Rücknahmen erfolgten im Zeitraum nach Abschluss des schriftlichen Verfahrens und vor Abschluss des Zwischenverfahrens. Mithin ist eine Gebührenerstattung in Höhe von 40 Prozent gem. R. 370.9 (b )(ii) VerfO gerechtfertigt. Gründe, die Erstattungen gem. R. 370.9 (e) VerfO zu verweigern oder zu kürzen liegen nicht vor.“
Die Klägerin bringt vor, es sei nicht ersichtlich, dass die Parteien bis zur Klagerücknahme über den Abschluss des schriftlichen Verfahrens unterrichtet worden seien.
Die Klägerin hat daher b e a n t r a g t,
I. die Anordnung des Gerichts erster Instanz des Einheitlichen Patentgerichts vom 23.12.2024, Aktenzeichen UPC_CFI_208/2023, No. ORD_67681/2024 zu überprüfen,
II. Ziff. 5 der Anordnung vom 23.12.2024 wie nachstehend abzuändern:
Die jeweilige Klagepartei bzw. Widerklagepartei erhält eine anteilige Rückerstattung der Gerichtsgebühren gemäß R.370.9 (b) (i) VerfO von jeweils 60%.
Den Beklagten wurde gemäß Regel 333.2 Satz 3 EPGVerfO rechtliches Gehör gewährt. Die Beklagten haben sich der Bitte der Klägerin angeschlossen, entsprechend den Anträgen der Klägerin die Anordnung vom 23. Dezember 2024 nach R.333.1 VerfO zu überprüfen und antragsgemäß abzuändern.
Gründe
I.
Der Spruchkörper bestätigt die Anordnung des Berichterstatters.
Die Frage, ob es mit Blick auf die Rückerstattung von Gerichtsgebühren in Regel 370.9 (b) (i) EPGVerfO auf die formelle Mitteilung des Gerichts über den Abschluss des schriftlichen Verfahrens ankommt, oder ob es ausreicht, dass bereits sämtliche Schriftsätze gemäß Regel 12.1 EPGVerfO ausgetauscht sind und insofern das schriftliche Verfahren – wie hier – de facto abgeschlossen ist (in diesem Sinne auch Lokalkammer Mannheim, Anordnung vom 4. Februar 2025, UPC_CFI_223/2023), kann hier letztlich offen bleiben:
Sinn der in Regel 370.9 (b) EPGVerfO vorgesehenen Staffelung zur Gebühren-Rückerstattung im Falle der Klagerücknahme ist es, die Rückerstattung mit dem bereits betriebenen Aufwand des Gerichts in ein angemessenes Verhältnis zu setzen: Je später eine Klage zurückgenommen wird, desto geringer fällt – entsprechend dem vom Gericht bereits betriebenen Arbeitsaufwand – die Rückerstattung aus. Diese Zwecksetzung ist auch Gegenstand von Regel 370.9 (e) EPGVerfO. Danach kann das Gericht in außergewöhnlichen Fällen unter Berücksichtigung insbesondere des Verfahrensstadiums die nach den Buchstaben (b) und (c) zahlbare Rückerstattung verweigern oder kürzen.
Maßgeblich ist im hier zu beurteilenden Verfahren, dass es sich um einen äußerst komplexen Patentverletzungsstreit handelt, den die Parteien auch bis zur Rücknahme der Klage und der Widerklagen sehr intensiv geführt haben und der daher einen außergewöhnlich hohen, weit überdurchschnittlichen Arbeitsaufwand auf Seiten des Gerichts verursacht hat. Belegt wird dies mit der aus dem CMS ersichtlichen Anzahl von Workflows im Gesamtkomplex (Verletzungsklage, Widerklagen, Änderungsanträge, insbesondere zahlreiche aufwendig zu bearbeitende Vorlage- und Geheimhaltungsanträge).
Daher war die beantragte Rückzahlung von 60% statt 40% jedenfalls nach Regel 370.9 (e) EPGVerfO zurückzuweisen. Es handelt sich um einen in jeder Hinsicht „außergewöhnlichen Fall“ im Sinne dieser Vorschrift. Diese Regelung hätte keinen Anwendungsbereich, wenn nicht der vorliegende Fall von ihr erfasst würde (so auch Lokalkammer Mannheim, Anordnung vom 4. Februar 2025, UPC_CFI_223/2023).
Der Spruchkörper hält es angesichts dessen für gerechtfertigt, die anteilige Rückerstattung der Gerichtsgebühren für die jeweilige Klagepartei bzw. Widerklagepartei auf jeweils 40 Prozent zu beschränken.
II.
Soweit in den mit Anordnung vom 23.12.2024 für beendet erklärten Verfahren noch Workflows offen sind, werden diese geschlossen.
Anordnung
I. Die Anordnung des Berichterstatters vom 23.12.2024 wird vom Spruchkörper bestä-tigt.
II. Noch offene Workflows in den gemäß der Anordnung vom 23.12.2024 für beendet erklärten Verfahren werden geschlossen.
Machine Translation
Local Chamber Munich
UPC_CFI_208/2023
Order
of the Court of First Instance of the Unified Patent Court, issued on 25 February 2025
Headnotes:
1. The purpose of Rules 370.9 (b) and (e) EPGVerfO on the refund of fees in the event of withdrawal of the action is to ensure that the refund is proportionate to the work already carried out by the court.
2. A complex patent infringement dispute which the parties have pursued very intensively until the withdrawal of the action and the counterclaims and which has therefore caused an exceptionally high, far above average amount of work on the part of the court constitutes an ‘exceptional case’ within the meaning of Rule 370.9 (e) EPGVerfO.
PLAINTIFF
Panasonic Holdings Corporation
represented by: Miriam Kiefer
DEFENDANTS
1) Guangdong OPPO Mobile Telecommunications Corp. Ltd.
2) OROPE Germany GmbH
represented by: Tobias J. Hessel
PATENT IN DISPUTE
European Patent 2 197 132
DECISION-MAKING BODY / CHAMBER
Decision-making body 1 of the Munich Local Chamber.
JUDGES INVOLVED This order was issued by the presiding judge Dr. Zigann, the legally qualified judges Kupecz and Pichlmaier and the technically qualified judge Rydman.
LANGUAGE OF THE PROCEEDINGS
German
SUBJECT
Review of a procedural order pursuant to Rule 333 EPGVerfO (German Patent Court Rules)
Facts
Following an out-of-court settlement at the end of 2024, the parties withdrew both the pending infringement action and the counterclaims and requested a pro rata refund of 60% of the court fees.
The presiding judge of the local chamber, acting as rapporteur, awarded the parties only a 40% refund (para. 5 of the order of 23 December 2024). The order states:
‘The respective plaintiff or counterclaimant shall receive a proportional refund of the court fees pursuant to R. 370.9 (b) (ii) VerfO of 40 per cent in each case.’
The reasons given are as follows:
‘The withdrawals took place in the period after the conclusion of the written proceedings and before the conclusion of the interim proceedings. Consequently, a reimbursement of 40 per cent of the fees is justified in accordance with R. 370.9 (b )(ii) VerfO. There are no grounds for refusing or reducing reimbursements in accordance with R. 370.9 (e) VerfO.’
The plaintiff argues that it is not apparent that the parties had been informed of the conclusion of the written proceedings by the time the action was withdrawn.
The applicant therefore requests that
I. the order of the Court of First Instance of the Unified Patent Court of 23 December 2024, case number UPC_CFI_208/2023, No. ORD_67681/2024, be reviewed,
II. point 5 of the order of 23 December 2024 be amended as follows:
The respective party to the action or counterclaim shall receive a proportionate refund of the court fees in accordance with Rule 370(9)(b)(i) of the Rules of Procedure, amounting to 60% in each case.
The defendants were granted a legal hearing in accordance with Rule 333.2 sentence 3 EPGVerfO. The defendants have joined the plaintiff's request to review the order of 23 December 2024 in accordance with the plaintiff's submissions pursuant to R.333.1 VerfO and to amend it as requested.
Reasons
I.
The panel confirms the order of the rapporteur.
The question of whether, with regard to the reimbursement of court fees, Rule 370.9 (b) (i) EPGVerfO, or whether it is sufficient that all pleadings have already been exchanged in accordance with Rule 12.1 EPGVerfO and that, in this respect, the written proceedings are de facto concluded (in this sense also Local Chamber Mannheim, order of 4 February 2025, UPC_CFI_223/2023), can ultimately be left open here:
The purpose of the graduated scale for the reimbursement of fees in the event of withdrawal of the action provided for in Rule 370.9(b) EPGVerfO is to ensure that the reimbursement is proportionate to the work already carried out by the court: the later an action is withdrawn, the lower the reimbursement will be, in line with the work already carried out by the court. This purpose is also the subject of Rule 370.9 (e) EPGVerfO. According to this, in exceptional cases, the court may refuse or reduce the reimbursement payable under (b) and (c), taking into account in particular the stage of the proceedings.
The decisive factor in the proceedings to be assessed here is that this is an extremely complex patent infringement dispute, which the parties have also conducted very intensively until the withdrawal of the action and the counterclaims and which has therefore caused an exceptionally high, far above average amount of work on the part of the court. This is evidenced by the number of workflows in the overall complex (infringement action, counterclaims, requests for amendment, in particular numerous complex requests for submission and confidentiality) as shown in the CMS.
Therefore, the requested reimbursement of 60% instead of 40% had to be rejected in any case pursuant to Rule 370.9 (e) EPGVerfO. This is an ‘exceptional case’ in every respect within the meaning of this provision. This provision would not apply if the present case were not covered by it (see also Mannheim Local Chamber, order of 4 February 2025, UPC_CFI_223/2023).
In view of this, the panel considers it justified to limit the proportional reimbursement of court fees for the respective plaintiff or counterclaimant to 40 per cent in each case.
II.
Insofar as workflows are still open in the proceedings declared closed by order of 23 December 2024, these will be closed.
Order
I. The order of the reporting judge of 23 December 2024 is confirmed by the panel.
II. Any workflows still open in the proceedings declared closed by order of 23 December 2024 shall be closed.
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